Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Ein Immobilienkredit läuft selten bis zur letzten Rate mit denselben Konditionen. Die meisten Baufinanzierungen haben eine Zinsbindung von 10 oder 15 Jahren — danach ist die Restschuld noch nicht getilgt, und du brauchst einen neuen Vertrag.

Dieser neue Vertrag ist die Anschlussfinanzierung. Du hast dabei drei Möglichkeiten: Prolongation bei der eigenen Bank, Umschuldung zu einer neuen Bank — oder ein Forward-Darlehen, das du dir schon heute für die Zukunft sicherst.

Wichtig: Wer die Anschlussfinanzierung nicht aktiv plant, landet automatisch in der Prolongation der Hausbank — meist mit Zinsen deutlich über dem Marktdurchschnitt. Vergleichen lohnt sich in fast jedem Fall.

Die drei Optionen im Vergleich

OptionWas ist es?ZinsvorteilAufwandEmpfehlung
ProlongationVerlängerung beim aktuellen AnbieterGering (Hausbank nutzt Trägheit aus)Sehr geringNur wenn Zinssatz top ist
UmschuldungWechsel zu einer anderen Bank0,2–0,5 % im SchnittMittel (Unterlagen, neue Grundschuld)Fast immer empfehlenswert
Forward-DarlehenHeute abschließen, später auszahlenZinssicherung jetztMittel (Forward-Aufschlag)Bei steigendem Zinsumfeld

Prolongation: Bequem, aber teuer

Bei der Prolongation macht dir deine aktuelle Bank ein Angebot zur Verlängerung. Das ist der bequemste Weg — aber selten der günstigste. Studien zeigen, dass Prolongationsangebote im Schnitt 0,2–0,5 % über dem Marktdurchschnitt liegen.

Bei einer Restschuld von 200.000 € und 10 Jahren Restlaufzeit bedeutet 0,3 % Zinsmehrkosten ca. 6.000 € Mehrkosten — nur weil du nicht verglichen hast.

Wann Prolongation sinnvoll ist: Wenn die Hausbank tatsächlich marktgerechte Konditionen anbietet (Gegenchecken!), wenn die Grundschuldabtretung teuer wäre (z. B. sehr alte Grundschuld), oder wenn du absehbar in den nächsten Jahren verkaufen willst.

Umschuldung: In den meisten Fällen die bessere Wahl

Beim Bankwechsel nimmst du die Restschuld und finanzierst sie bei einer anderen Bank zu neuen Konditionen. Die Kosten dafür sind überschaubar: eine neue Grundschuldeintragung kostet ca. 200–500 € beim Notar — die Zinsersparnis übersteigt das in aller Regel deutlich.

  1. 12 Monate vor Ende der Zinsbindung: Erste Angebote einholen, Prolongationsangebot von der Hausbank anfordern
  2. Vergleich durchführen: Mindestens 3–5 Angebote von verschiedenen Banken oder über Vermittler (Interhyp, Dr. Klein)
  3. Angebote gegeneinander ausspielen: Bestes Angebot zur Hausbank tragen — manche Banken bessern noch nach
  4. Entscheidung und Unterlagen einreichen: Einkommensnachweise, Grundbuchauszug, Objektunterlagen
  5. Notartermin und Grundschuldabtretung: Bei Umschuldung Grundschuld auf neue Bank übertragen lassen

Forward-Darlehen: Zinsen jetzt für die Zukunft sichern

Ein Forward-Darlehen erlaubt dir, einen Anschlusskredit bis zu 5 Jahre im Voraus zu aktuellen Zinsen abzuschließen — ausgezahlt wird er erst, wenn deine aktuelle Zinsbindung ausläuft.

VorlaufzeitForward-Aufschlag (typisch)Effektiver Aufschlag (ca.)Break-Even Zinsstieg
6 Monate0,02–0,05 %/Monatca. 0,12–0,3 %Zinsanstieg > 0,2 %
12 Monate0,02–0,05 %/Monatca. 0,24–0,6 %Zinsanstieg > 0,4 %
24 Monate0,02–0,05 %/Monatca. 0,48–1,2 %Zinsanstieg > 0,8 %
60 Monate0,02–0,05 %/Monatca. 1,2–3,0 %Zinsanstieg > 2,0 %

Das Forward-Darlehen lohnt sich, wenn du damit rechnest, dass Zinsen bis zu deinem Ablaufdatum steigen werden — und der erwartete Anstieg höher ist als der Forward-Aufschlag.

Vorsicht: Ein Forward-Darlehen ist bindend. Auch wenn die Zinsen fallen, musst du den vereinbarten Zins zahlen. Bei sehr langen Vorlaufzeiten (36–60 Monate) ist die Zinsprognose unsicher — hier ist Flexibilität oft wertvoller als Sicherheit.

Checkliste: So bereitest du dich vor

  • Wann genau endet meine Zinsbindung? (Kreditvertrag prüfen)
  • Wie hoch ist meine Restschuld zum Ablauf?
  • Welches monatliche Budget steht mir zur Verfügung?
  • Wie lange soll die neue Zinsbindung laufen? (5, 10, 15, 20 Jahre)
  • Will ich die Tilgung erhöhen oder senken?
  • Gibt es Möglichkeiten für Sondertilgungen?
  • Unterlagen bereitstellen: Einkommensnachweis, Grundbuchauszug, aktuelle Restschuldbestätigung

Wie viel kann ich durch Umschuldung sparen?

Als Faustregel gilt: Pro 0,1 % niedrigerer Zinssatz sparst du bei 200.000 € Restschuld über 10 Jahre etwa 2.000 €. Wer 0,3–0,5 % bessere Konditionen als die Prolongation herausholt, spart 6.000–10.000 € — bei vergleichsweise minimalem Aufwand.