Was ist eine Vollfinanzierung?

Vollfinanzierung: 100 % Finanzierung ohne Eigenkapital — Chancen und Risiken

Eine Vollfinanzierung bedeutet: Du finanzierst den kompletten Kaufpreis einer Immobilie über ein Bankdarlehen — ohne eigenes Kapitaleinzusetzen. In seltenen Fällen werden sogar die Nebenkosten(Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) mitfinanziert — das nennt sich 110-%-Finanzierung.

Wer bekommt eine Vollfinanzierung?

Vollfinanzierung: 100 % Finanzierung ohne Eigenkapital — Chancen und Risiken
  • Ausgezeichnete Bonität (SCHUFA-Score 95+)
  • Sehr sicheres, hohes Einkommen (Beamte, unbefristet Angestellte)
  • Werthaltige Immobilie in guter Lage
  • Kein weiterer Kredit laufend
  • Idealerweise: Eltern oder Partner als Bürgen

Die Kosten einer Vollfinanzierung

Ohne Eigenkapital zahlst du einen deutlichen Zinsaufschlag. Ein Beispiel: 400.000 € Kaufpreis, 3,5 % Sollzins mit 20 % EK vs. 4,3 % ohne EK. Über 10 Jahre Zinsbindung: ca. 25.000 € mehr an Zinsen allein durch den Aufschlag.

Beleihungsauslauf und Zinssprünge

Banken staffeln ihre Zinsen nach Beleihungsauslauf. Bei 60 % gibt es die besten Konditionen, bei 80 % einen Aufschlag, bei 90 % nochmals mehr, bei 100 % oft +0,5–1,0 % gegenüber 80 % Finanzierung.

Risiken der Vollfinanzierung

  • Sofortige Überschuldung bei Wertverlust der Immobilie
  • Kein Puffer für Reparaturen oder Einkommensverlust
  • Höhere monatliche Belastung ohne Reserven
  • Schwierigere Umschuldung nach Zinsbindung
  • Keine Verhandlungsmacht bei der Anschlussfinanzierung

Wann kann eine Vollfinanzierung sinnvoll sein?

Es gibt Situationen, in denen eine Vollfinanzierung trotzdem sinnvoll ist: Wenn du ein großes Wertpapierdepot hast, das du nicht verkaufen willst. Wenn Mieteinnahmen die Rate übersteigen. Wenn Zinsen für das EK-Sparen höher sind als die Zinsersparnis. In diesen Fällen: Lass dich individuell beraten.

Alternative: Eigenkapital schnell aufbauen

Wenn du noch 1–2 Jahre Zeit hast, lohnt sich gezieltes Eigenkapital sparen. Schon 10–15 % EK senken den Zinssatz um 0,3–0,6 % und sparen dir über die Laufzeit deutlich mehr als du an Miete zahlst.

Berechne dein Szenario mit unserem Baufinanzierungsrechner — vergleiche Vollfinanzierung vs. 20 % Eigenkapital.

Wann genehmigen Banken eine 100%-Finanzierung?

Vollfinanzierung bedeutet: Das Darlehen deckt 100 % des Kaufpreises — die Kaufnebenkosten (8–15 %) zahlst du selbst. Banken genehmigen dies typischerweise nur bei: sehr guter Bonität (SCHUFA über 98 %), überdurchschnittlichem, sicherem Einkommen, geringem Kaufpreis relativ zum Einkommen und einer Immobilie in guter Lage.

Kostenvergleich: 20 % EK vs. Vollfinanzierung

Szenario (400.000 € Kaufpreis)DarlehenZinsRate/MonatZinsen über 10J
20 % Eigenkapital320.000 €3,5 %1.467 €ca. 89.000 €
Vollfinanzierung (0 %)400.000 €4,5 %2.167 €ca. 158.000 €
Achtung: Vollfinanzierungen werden mit deutlich höheren Zinsen bepreist (+0,5–1,5 %). Bei 400.000 € Darlehen bedeutet 1 % Aufschlag über 10 Jahre ca. 40.000 € Mehrkosten.

Alternativen zur Vollfinanzierung

Bevor du eine teure Vollfinanzierung aufnimmst, prüfe diese Alternativen: Bausparvertrag mit staatlicher Förderung, Riester-Kapital über §92a EStG (Wohnriester), zinsfreie Darlehen von Eltern oder Großeltern, KfW-Förderprogramme für Erstkäufer oder eine gezielte Sparphase mit ETF-Sparplan. Mehr zu diesen Möglichkeiten in unserem Eigenkapital-Ratgeber.

Mit unserem Eigenkapital-Rechner erkennst du sofort, wie viel du für deinen Kaufpreis wirklich brauchst — inklusive aller Nebenkosten nach Bundesland.